Bemerkenswerte Biere 2015

Bemerkenswerte Biere 20152015 bin ich nicht so regelmäßig zum Bloggen gekommen, wie ich mir es gewünscht hätte. Grund genug, 10 Biere zu würdigen, die aus den verschiedenen Gründen heuer bemerkenswert waren. Es sind Neuentdeckungen, Wiederentdeckungen und alte Bekannte dabei.   

Beim Zusammenstellen der bemerkenswerten Biere 2015 ist mir aufgefallen, dass kein Bier dabei ist, das man neuerdings als „Craftbier“ bezeichnen würde. Also kein IPA, kein Red Amber Ale, kein Imperial Stout und wie sie alle heißen. Das wundert mich selbst etwas, weil ich mag solche Biere. Meistens zumindest und aus Weingläsern.

Diejenigen Biere, die ich wirklich bemerkenswert finde, sind – natürlich – auch handwerklich gebraut, kommen aber altmodischer daher. Geschmäcker brüllen die Zunge nicht an, wie ich es bei IPA & Co. schätze, sondern sagen leiser „Schau mal, ich bin auch da, übrigens schreie ich nicht lauter, sonst würdest Du von meinem Kumpel nichts mehr bemerken.“ Außerdem ist Craftbier nicht süffig. Und die Süffigkeit ist mir ganz wichtig, wie ich hier schon öfter geschrieben habe.

Die Neuentdeckungen

Auf Usedom hätte ich mit allem gerechnet, aber nicht damit. Ich habe das Helle vom Usedomer Brauhaus schon hier beschrieben, daher brauche ich das nicht erneut zu tun, das Gleiche gilt für das Rollberger. Bleibt das Schlöbberla (und nicht etwa Schlobberla, wie hier ursprünglich fälschlicherweise stand, danke Hirsch!). Ein freundlicher Ex-Kollege brachte es mir aus Franken mit, und ich konnte gar nicht genug davon bekommen. Halbdunkel, süffig, nicht zu malzig, nicht zu hopfig, beides etwas kräuterig, fast rauchig auf einer ganz leicht muffigen Hefe in perfektem Ausmaß vorhanden. Großes Bierkino, weiter so, mehr gibt’s nicht zu vermelden.

Die Wiederentdeckungen

Hertlein (Staffelbach), Hübner (Steinfeld) und Oberstreuer Hausbrauerbier hatte ich vor Jahren das letzte Mal getrunken, danach aber aus den Augen verloren. Wir beginnen mit dem Hertlein: Ein Steigerwaldbier in Reinform! Das Bier ist alles andere als gefällig, es kratzt anfangs etwas. Man trinkt sich aber rein, und schon nach der zweiten Halben haben sich Nase, Gaumen und Bier aneinander gewöhnt und vertragen sich prächtig.

Aus der Rhön kommt das Hausbrauerbier aus Oberstreu. Wuhrzel und ich waren vor Jahren mal dort, weil sie das Bier öffentlich nur einmal im Jahr zum Feuerwehrfest ausschenken. Das Bier schmeckt unvorstellbar muffig-kellerartig, was ich ja sehr gerne mag. Vom Hopfen ist nicht viel zu bemerken, aber er entschärft die Muffigkeit etwas, so dass das Ganze zu einem echten Bierkunstwerk wird.

Das Hübner-Bräu aus Steinfeld hat mir früher gar nicht geschmeckt. So schön die Wirtschaft und so original der Otto war, das Bier lief bei mir immer unter schlecht gemachtes Pils. Bis 2015 im Sommer, als ich ihm noch eine Chance geben wollte. Ganz untypisch für die Fränkische Schweiz kommt es hopfig-trocken daher, wird aber ganz ausgezeichnet von Malz und einer kaum wahrnehmbaren Honignote eingerahmt.

Zeitlose Katzsche Favoriten

Immer wieder gerne, vom Fass, aus der Flasche, daheim, vor Ort, alles ganz wurst: Spezial Bamberg, Hetzel Frauendorf und Välta-Bräu Appendorf sind zeitlose Biere, die über die Jahre hinweg gleichbleibend gut schmecken und jedes auf seine Weise einen ganz besonderen Charakter aufweisen.

Mein Spitzenreiter 2015

Leider bin ich 2015 nicht nach Zentbechhofen gekommen, um das Helle („Vollbier“) vom Fass zu trinken. Das habe ich mir für 2016 fest vorgenommen. Aber der Berliner Bierdealer meines Vertrauens, das Hopfen und Malz, hat es immer aus der Flasche da.

Friedel Zentbechhofen: Mein Lieblingsbier 2015Immer beim ersten Schluck ist ein Hauch von Grapefruit zu erkennen. Die Grapefruitnote tritt aber nicht – wie bei IPAs schon fast ein Muss – dominant zu Tage, sondern bleibt im Hintergrund, weil gleich danach eine schön grasige Malz- und eine leicht blumige Hefenote kommen. Die Süffigkeit – ein Traum! Mitunter habe ich sogar mehr als ein Bier davon getrunken!

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8 Antworten zu Bemerkenswerte Biere 2015

  1. Hirsch schreibt:

    Heißt das „Schlobberla“ nicht „Schlöbberla“? Das ergäbe jedenfalls mehr Sinn, wo doch auf dem Etikett dieser … hmm… Schwarzweißfotomensch seine „Schlöbbm“ so schön in den Glaskrug hängt. Jedenfalls steht fränkisch „Schlöbbm“ für „Mund“ und kann gern mal abfällig gemeint sein. Während der Diminutiv „Schlöbberla“ fast so nett und freundlich klingt wie „Göschla“…

  2. Hamburga schreibt:

    Danke für den Jahresrückblick. Wir scheinen geschmacklich auf einer ähnlichen Wellenlänge zu sein. Für mich kommen die klassischen fränkischen Biere als erstes, dann IPA, moderne Craft Biere usw. – denen bin ich auch nicht abgeneigt.

    Leider fehlt mir für vieles hier im Norden der direkte Zugriff. Ich habe mir aber einiges aus dem Artikel vorgemerkt. Das Spezialkeller ist für mich auch ein All Time Classic.

    • Athanasius Katz schreibt:

      Aus Ihrem Nickname entnehme ich, dass Sie aus Hamburg schreiben, liebe Hamburga. Dort scheint es mit fränkischen Bieren wirklich etwas düster auszusehen, wie eine kurze, aber unsystematische Webrecherche soeben ergab. Ich hoffe, dass das nicht lange so bleibt und auch die dortigen Craftbeer-Shops mehr Franken anbieten. Im Moment muss man ja schon froh sein, wenn man dort ein Schlenkerla und ein Kulmbacher erhält.

  3. Hirsch schreibt:

    Rein zufällig habe ich heute auf der Webseite der Brauerei Grasser, Huppendorf, nach deren Bierverkauf in Getränkemärkten geguckt. Hier wird angeführt:
    Getränke Shop Marco Höpner, 20257 Hamburg, Lappenbergsallee 45.

    Vielleicht gibt es dort ja sogar noch mehr Fränkisches…? Allein für ein „Huppi Voll“ würde ich da jedenfalls von Blankenese zu Fuß hingehen…

    An Herrn Katz und alle miteinander noch ein Gut’s Neues. Ich hoffe, es bleibt Zeit für viele Bier-Berichte. Ich schmökere hier immer wieder gern und bekomme in den Blogs auch so manche Überraschung und manchen Augenöffner mit (herausragend und überzeitlich gültig: Der Blog von der Gasthausbrauereiplörre!).

  4. Sascha schreibt:

    Bzgl. Hamburg und fränkische Bier, bitte mal hier vorbeischauen:
    http://www.pappenheimer-wirtschaft.de/biere.htm

  5. Pingback: Der Bierdealer meines Vertrauens: Das Hopfen und Malz im Wedding | bierfranken

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