Gentrifiziertes Bier: Pfefferbräu

Pfefferberg Hell und DunkelDie Gentrifizierung, das sei hier ausschließlich deskriptiv und nicht wertend angemerkt, macht natürlich auch und insbesondere vorm Bier nicht halt. Der Pfefferberg war in den 90ern noch durch und durch alternativ und provisorisch, es gab halt irgendein Bier (ich weiß es schon gar nicht mehr). Heute ist das anders, es wird wieder gebraut auf dem Pfefferberg. 

Was war in diesen Räumlichkeiten nicht schon alles drin. Ein sehr lesenswerter Artikel des Tagesspiegels skizziert die Geschichte der Gaststätte:

Pfefferberg Sudkessel1841 gründete ein Bayer namens Joseph Pfeffer eine Brauerei und Gaststätte, die allerdings 1921 geschlossen wurde. Es wurden im weiteren Verlauf dort Schweine gezüchtet, Schokolade hergestellt, zu DDR-Zeiten sei das Areal eine Druckerei gewesen.

Raum für jugendlichen Leichtsinn war der Pfefferberg auch schon

Nach der Wende muss dann sehr bald wieder eine Gaststätte aufgemacht haben, denn der Katz war in seiner wildbewegten Jugend dort im Biergarten gesessen. Damals krähte natürlich kein Hahn (auch ich nicht) nach handwerklich gebrautem Bier oder gar Craftbeer, vielleicht haben sie einem damals eine Dose hingestellt, ich weiß es nicht mehr. Woran ich mich jedoch erinnere, sind Jugendsünden: Vom Bier ermutigt, beschlossen Wuhrzel und ich im Pfefferberg, den benachbarten Baukran zu besteigen. Völlig unbehelligt und ohne jegliche Sorge, dass etwas passieren könnte, stiegen wir die endlose Leiter nach oben. Sahen uns das Kranführerhäuschen an und liefen dann sogar über einen Rost, durch den man zwischen seinen Füßen 50 Meter nach unten blickte, zu den Gegengewichten am hinteren Ende des Auslegers. Da wurde mir schon etwas flau, aber der Ausblick auf die nächtliche Stadt, entschädigte dafür. Meine Fresse, sowas macht man wirklich nur als alkoholisierter Zwanzigjähriger, keine 10 Pferde bekämen mich heutzutage auf einen Baukran! Es war übrigens nicht die einzige „Aktion“ dieser Art im Nachwende-Berlin, demnächst vielleicht mehr zu diesem Thema.

Und heute?

Pfefferberg GastraumSeit Ende 2013 wird auf dem Pfefferberg wieder gebraut. Torsten Schoppe, der Strippenzieher Berliner Bieres, ist der verantortliche Meister, und das schmeckt man auch: Das Bier hat mir geschmeckt. Das Helle nennt sich zwar „Pils“, schmeckt aber durchaus obergärig, ist hefetrüb und ein sehr feines, süffiges Stöfflein, wenn man die Kohlensäure ein wenig herausschüttelt. Das Dunkle war mir, wie das hier in Berlin oft der Fall ist, etwas zu karamellig. Beide aber trinkbar, und auch das Essen ist recht gut, wenn auch nicht ganz preiswert. Das Ambiente sehr gelungen mit wenig Schnickschnack, der Service so mittel. Das Publikum … naja. Ich werde hier nicht ins allgemein zu beobachtende Berlintouristenbashing einstimmen, aber 1994 wars netter :-)

Übrigens: Ein Beispiel für ganz und gar ungentrifiziertes Biertrinken lieferte jüngst der Kiezneurotiker im unbedingt lesenswerten Artikel Der letzte Rest ehrwürdiger Bieradel von Prenzlauer Berg.

Dieser Beitrag wurde unter Berlinbier, Biergarten, Craftbeer, Hach, wie schön wars damals! abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Gentrifiziertes Bier: Pfefferbräu

  1. Pingback: Results for week beginning 2014-06-23 | Iron Blogger Berlin

  2. kiezneurotiker schreibt:

    Spät kommt er, aber er kommt, der Dank fürs Verlinken. Cheers.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s