Heartland Brewery

Speisen und Bierprobe in der Heartland Brewery am Union SquareDie Heartland-Brewery soll die zweite Station der Serie „Biere in den USA werden. Unlängst war ich im Ausschank am Union Square, weil ich das Glück hatte, in der Nähe zu wohnen und ortskundige Führung zu genießen. Bier- und essenstechnisch bleiben hier keine Wünsche offen. Ich war überrascht ob der Vielfalt und der Qualität des dortigen Craftbeers.

Seit 2003 gibt es die Braustätte in Brooklyn. Trinken kann man die Heartland-Biere in Bierpubs ausschließlich in Manhattan. Sieben an der Zahl sind es, leider kenne ich nur das am Union Square. Ehrensache, dass ich nächstes Mal, wenn ich nach New York komme, auch weitere besuchen werde. Insbesondere die Vielfalt ist einen Besuch wert. Trinkbar sind circa die Hälfte der Sorten, hier schwingt aber auch Genre-Kritik mit, weil ich zum Beispiel Stouts nicht so gerne mag.

Die Voyage of Beer

Eine feine Sache war bei meinem Besuch die Bierprobe. In kleinen Gläsern kommen alle normalen Biere und alle Saison-Biere auf den Tisch. Neben Indian River Light Ale und Cornhusker Lager waren die Biere des Dauersortiments Harvest Wheat Beer, Red Rooster Ale, Indiana Pale Ale, und Farmer Jon’s Oatmeal Stout. Empire Premium, Kelly’s Irish Red Ale, Imperial Oatmeal Stout, Not Tonight Honey Porter und Belgian Golden Pale Ale firmierten als Saisonbiere.

Meinen Geschmack trafen vor allem die leichteren Sorten. Jede Konkurrenz mit fränkischen Bieren bestehen zum Beispiel das Lager und das Empire Premium Beer. Ausnehmend gut gehopft fand ich das IPA und das Belgische Ale. Hopfig waren auch die anderen Ales. Rassige Zitrusfruchtnoten sind aber nur schmeckbar, wenn das Malz sich nicht hervortut. Deshalb überzeugte mich das Red Ale nicht so. In der Malzdimension waren die Stouts natürlich sehr ausgeprägt. Ehrlich gesagt waren mir beide Stouts etwas zu karamellig. Eher wieder mein Malzfall war das Red Rooster Ale. In der Hefedimension – wen wundert es – rangierte das Weizen an vorderster Stelle. Nicht nur eine Scheibe von diesem prächtigen Weizen könnten sich so manche Weizenoid-Brauer in Deutschland abschneiden. Ein Schelm, wer dabei wie der Katz an Tucher denkt.

Essen im Pub am Union Square

Das Essen ist richtig gut! Als Begleitunterlage für die Bierprobe haben wir uns Burger und einen großen Salat bestellt. Seitdem ich das mal bei einer Sensorikschulung an mir kennengelernt habe, schätze ich durchaus Saures, um den Geschmack im Mund zu neutralisieren. In der Geschmackswelt des Bieres ist es unwahrscheinlich, dass ein Bier wirklich Säure hat. Somit verfälscht diese Art der Neutralisierung wohl den Geschmack eher nicht. Triple-Burger und Salat haben uns also wunderbar dabei unterstützt, uns der Biervielfalt anzunähern. Vordergründig mag die Burger-Salat-Combo etwas profan wirken. Ich bin jedoch der festen Überzeugung, dass die US-Biere mit US-Begleitessen noch besser munden.

Exkurs 1

Es sei ein kleiner Exkurs gestattet. Landläufige europäische Meinung ist die, dass die Amerikaner keine Esskultur haben. Zu dieser Meinung habe ich auch erst tendiert. Unter ortskundiger Führung jedoch findet man immer wieder in Lokale, die den europäischen Vergleich nicht zu scheuen brauchen. Kann man einmal von Plastikbechern und gar Plastiktellern abstrahieren, ist das, was da auf dem Teller liegt, meist durchaus genießbar. Um nicht zu sagen absolut gleichwertig. Regionale Spezialitäten der Region, des Ortes oder des Lokals gibt es genauso wie in Europa. Zeit wird es also, dass wir in dieser Hinsicht von dem hohen europäischen Ross heruntersteigen.

Exkurs 2

Ich  möchte das Thema von Exkurs 1 noch erweitern. Charleston, Savannah und andere Städte haben mir gezeigt, dass es auch in vielerlei anderen Aspekten nicht mehr zeitgemäß ist, den Amerikanern Unkultur, Unhistorie und Ähnliches vorzuwerfen. Historisches gibt es immer wieder zu sehen. Leider werden – zumindest in Deutschland – gerne mal die historischen Fakten vergessen. Insistiert man auf den Vorzügen des historischen Wertes mittelalterlicher Bebauung, so ist das meist falsch. Erbauungszeit von Stadtkernen von Quedlinburg, Bamberg, Rothenburg und wie sie alle heißen war die frühe Neuzeit. Barockstädte würde ich mir auch noch eingehen lassen, aber im Mittelalter standen alle diese Städte in völlig anderer Form da. Eine geschlossene Bebauung aus dem 18. Jahrhundert, das ist in Europa Spätbarock oder Rokoko, findet sich in der Altstadt von Charleston /SC. Das allein sollte deutlich machen, dass wir Europäer unmöglich auf einer unikalen Bebauungsgeschichte insistieren können. Im mittleren Westen und im Westen sind solche geschichtlichen Architekturschätze natürlich spärlicher gesät oder nicht vorhanden. Cheyenne, Denver, Boise und wie sie alle heißen, sind letztlich, wenn man historische Zeitstandards anlegt, architektonisch unbedeutend. Hat aber auch was für sich, da man von der Architektur abstrahieren und gleich die nächste Craftbeer-Brewery aufsuchen kann.

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