Vergessene Brauereien: Friedel Schnaid

Ich bitte hiermit gleich eingangs um Entschuldigung, dass dieser Beitrag einem weinerlich-empörten Duktus folgt. Zugegeben, das Thema Friedel nagt schon einige Zeit an mir, vielleicht hätte ich früher darüber bloggen und meinen Ärger nicht so lange in mich hineinfressen sollen. Aber nicht vorschnell sein, Katz, der Leser mag selbst beurteilen, ob ich mich zu Unrecht empöre und ob es Blödsinn ist, die Brauerei Friedel zu betrauern.

„Prima gelaufen, aus einer Brauerei wurden zwei, und es gibt mehr Biersorten als früher.“ Wenn ich das höre, gärt es in und nagt es an mir. Der Katz ist in Friedel-Hinsicht konservativ, klebt am Gestrigen und trauert somit den alten Zeiten hinterher, als es beim Friedel nur ein einziges Bier gab und Keller und Gaststätte komplementäre Jahres- bzw. Wetter-Öffnungszeiten hatten. Daher erdreiste ich mich, den Friedel als „vergessene Brauerei“ aufzuführen.

Früher war alles besser

Bis 2008 hat Herr Friedel senior oder seine Tochter Luitgard in Schnaid ein phantastisches dunkles Bier gebraut. Es war sozusagen der Prototyp des oberfränkischen Dunklen, das immer wieder als geschmacklicher Maßstab herhalten musste, wenn es anderswo neue Dunkle zu verkosten galt. Im Winter ging man in den Brauereigasthof in Schnaid und aß Karpfen (die der Cousin züchtete), im Sommer ließ man sich das Friedel auf dem Kreuzberg schmecken, als der Keller noch ein Keller war.

Als wir, Andreas, Wuhrzel und ich, unseren eigenen Bierkeller hatten, waren wir sogar beim Hausbräu dabei. Man wurde angerufen, wann man „Bier fassen“ konnte, holte sich das halbfertige Gebräu für einen sagenhaften Literpreis von 1,30 DM, hielt ein Schwätzchen mit Herrn Friedel und lagerte das Rohbier im eigenen Keller ein paar Wochen zu Ende. Das war übrigens gar nicht so leicht: Man musste das Fass, in dem es ja noch weitergärte, ein bisschen am Spund offenlassen. Nicht zu viel, sonst wurde das Bier sauer und völlig abgestanden, aber auch nicht zu wenig, sonst holte man sich beim Anstechen des Fasses eine Bierdusche.

Masse und Gigantomanie statt Klasse

Heute ist das alles vorbei. Geschenkt: Friedels können nichts dafür, dass wir den Keller nicht mehr haben, darum soll es hier nicht gehen. Mich stören ganz andere Sachen. Erstens: Das alte, gemütliche Kellerhaus wurde abgerissen und 2007 ein riesiges Gebäude auf den Kreuzberg gestellt, das jetzt unter Brauhaus am Kreuzberg firmiert.

Ein Keller ist kein Brauhaus, das ist das kleine Einmaleins Frankens. Mehrere Sorten werden im „Erlebniskeller“ gebraut. Ich habe nichts gegen Vielfalt, im Gegenteil, aber das Dunkle schmeckt mir überhaupt nicht mehr, da können sie auf der Homepage noch so vehement darauf hinweisen, dass es das alte Rezept ist, ich glaube es nicht. Das „Hopfengold“ (Pils) und das „Schlotfegerla“ (gerauchtes Schwarzbier) habe ich probiert, schmecken mir nicht, „Cherry Lady“ und „Roggenbier“ verweigere ich glatt.

Außerdem, zweitens, geht es aus meiner Sicht viel zu sehr um den Schnaps. Luitgard Friedel, die Tochter von Heinrich Friedel, hat den Schnapsbrenner Norbert Winkelmann geheiratet, daran ist natürlich nicht das Geringste auszusetzen, nur weniger Bier- und Schnapssorten wären hier deutlich mehr.

Drittens: Auf dem Friedel-Keller, der kein Keller mehr ist, sondern ein Biergarten rund ums Brauhaus, spielt mitunter ein Alleinunterhalter. In völlig indiskutabler Lautstärke. Das geht nun wirklich gar nicht, zumal man selbst beim benachbarten Lieberth-Keller die grauenhafte Musik noch hört. Viertens ist am Spielplatz ein Schild aufgestellt, das darauf hinweist, dass hier nur Kinder spielen dürfen, deren Eltern auf dem Friedel-Keller sitzen (sehr unsympathisch, sollen doch die Kinder der Lieberth- und Rittmayer-Gäste auch hier spielen, das stört doch keinen).

Fünftens regt mich das Marketing-Blabla auf der Homepage auf, das mit der Realität aus meiner Sicht nichts mehr zu tun hat. Kostproben gefällig?

Friedlich, fränkisch, natürlich – so soll er sein und genau so ist er, ein Kellerbesuch auf dem Kreuzberg bei Familie Friedel-Winkelmann.

Die liebevolle Dekoration aus hundert Jahre altem Familiebesitz [sic!] ist Symbol für ihr Traditionsbewusstsein. „Der Erlebnisbierkeller“ wird das neue Kellerhaus auch gerne genannt, denn hier in den gemütlichen Stuben gibt es wirklich was zu erleben, vor allem wenn draußen das Wetter tobt. Eine wohlig warme Stube, frisch aufgebrühter Kaffee oder ein guter Schluck Bier, Essen, Brotzeiten und vielleicht danach ein guter Schnaps, was braucht der Wanderer noch nach einem kalten Winterausflug?

Fazit: Wenn überhaupt noch Kreuzberg, dann Rittmayer-Keller.

Und was tut sich in Schnaid?

Im Netz ist zu lesen, dass das Brauhaus in Schnaid jetzt von Andreas Gänstaller genutzt wird, der dort für seine Zoiglstube in Straßgiech braut. Darüber kann und will ich mich nicht empören, ich kenne weder sein Bier noch die Straßgiecher Zoiglstube. Naja, ein bisschen empöre ich mich vielleicht doch: Zoigl ist die Bezeichnung für das Bier aus kommunalen Brauhäusern in der Oberpfalz, darüber habe ich hier im Blog schon mehrfach berichtet, zum Beispiel unter Ein typischer Tag beim Zoigl. Es liegt überhaupt kein nachvollziehbarer Grund vor, warum ein oberfränkischer Gasthof, der Bier in einer privaten oberfränkischen Brauerei brauen lässt, sich Zoigl auf die Fahnen schreibt. Schade, dass es die brauenden Bürger aus Windischeschenbach und Konsorten nicht geschafft haben, sich den Begriff Zoigl schützen zu lassen.

Fazit: Irgendwie bin ich beleidigt, ich werde in Straßgiech nicht nach dem Rechten sehen.

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10 Antworten zu Vergessene Brauereien: Friedel Schnaid

  1. Christian Buggisch schreibt:

    Wir waren ja erst gestern wieder auf dem Kreuzberg und sind wie immer in letzter Zeit bei Rittmayer gelandet. Unsere Kreuzberg-Evolution ist simpel: Wir haben vor Jahren bei Friedel aka Brauhaus begonnen und sind da eine Zeit lang geblieben. Der Grund war einfach: kleine Kinder. Dafür ist der Friedel-„Keller“ mit seinem Riesen-Spielplatz perfekt. Ansonsten war er mir auch immer schon ein bisschen zu groß, wobei wir Essen & Helles, aber auch Kaffee & Kuchen ok fanden. Seit die Kinder größer sind und wir sie nicht mehr im Blick haben müssen, gehen wir eigentlich nur noch zum Rittmayer. Bier und Essen super, und viel gemütlicher. Zum Lieberth in der Mitte habe ich es tatsächlich noch nicht geschafft …

  2. Rainer schreibt:

    Eigentlich wollte ich mich ja etwas zurücknehmen. Aber Du schreibst mir größtenteils, was die „Eventbrauerei“ angeht, aus der Seele. Nur bei dem historischen Friedel-Bier muss ich Dir widersprechen. Das fand ich noch nie besonders gut und teilweise hatte ich schon Kopfweh beim vorbeigehen. Natürlich waren wir trotzdem sehr sehr oft dort. In der Wirtschaft wie im ehemaligen Keller.

    Jetzt sind wir manchmal noch da, weil der Spielplatz toll ist und vor allem die Rutsche. Außerdem ist es Tradition. Aber beim Gänstaller Bräu bin ich nicht Deiner Meinung. Schon in Trabelsdorf hat er gutes Bier gebraut, egal wie er es nennt. Leider sind Friedels und Gänstallers durch Herrn „Guide-Media“, sprich Markus Raupach, beeinflusst. Aber das ist ein anderes leidiges Thema und würde jetzt zu weit führen…

  3. Jan schreibt:

    Endlich sagt es einer! Das alte Friedel war auch für mich tatsächlich in mancher Hinsicht ein Maßstab, das neue ist belanglos. Der Untergang des Kellers ist ein Trauerspiel, ich gehe da nie wieder hin. Das Gänstaller übrigens hat mir im Abseits in Bamberg sehr gut geschmeckt, der Marketing-gag Zoigl ist in der Tat irreführend.

  4. Athanasius Katz schreibt:

    Ok, vielen Dank, Rainer, und vielen Dank, Jan, dann probiere ich das Gänstaller-Bier doch! Sooo beleidigt bin ich auch wieder nicht, zumindest nicht mit Herrn Gänstaller.

  5. Gerhard Schoolmann schreibt:

    Die Zoiglstube in Straßgiech nicht zu kennen, ist kaum entschuldbar. Sie wurde heuer von den Mitgliedern der Biercommunity Ratebeer.com zur besten Brauereigaststätte Deutschlands auserkoren. Hier wird mit Bier gekocht und es gibt für Gruppen ab 20 Personen nach Vereinbarung ein fünfgängiges Menü, bei dem die Speisen nicht nur vom passenden Bier begleitet, sondern auch mit Bier zubereitet werden.

    Andy Gänstaller hat im letzten Jahr das einzige Bier aus Deutschland entwickelt, das es unter die besten neuen Biere des Jahres geschafft haben (Gänstaller-Bräu Green Gold Double IPA (Ger meets USA), in der Tat eines der besten Biere die ich 2012 verkosten konnte.

    Er hat kooperative Biere gebraut gemeinsam mit zwei ausgezeichneten Braumeistern: Menno Oliver von De Molen in den Niederlanden und Hans-Göran Wiktorsson von der schwedischen Närke Kulturbryggerie. Dessen Bier „Närke Kaggen Stormaktsporter“ wurde zum zweitbesten Bier der Welt 2010 gekürt. In der Liste der besten 50 Brauereien der Welt von Ratebeer.com steht de Molen auf Platz 10. Die kooperativen Biere Elevator und Baltic Porter waren außergewöhnlich und außergewöhnlich gut. Ich habe beide vom Faß auch im Bamberger Café Abseits ausgeschenkt.

    Die starken Bier von Andy Gänstaller sind eher im Ausland als in Deutschland erhältlich, meist in den besten Bierrestaurants, Bierkneipen und Brauereigaststätten Europas, u.a. de Molen, Wildemann in den Niederlanden, der Sportsbar in Rom und im Akkurat in Stockholm.

  6. Rainer Krauss schreibt:

    Der Bewertung und Beschreibung des Friedel Kellers ist nichts hinzuzufügen.
    Der alte Wirt ist angeblich noch täglich auf seinem Keller, er wirkt dort wie ein Fremdkörper in dieser Geisterbahnlandschaft.
    Derartige Bau – und Kultursünden sind aber nur mit Zustimmung des Landratsamtes möglich, haben denn die alle geschlafen, oder war hier viel Vitamin B am Werke?
    Ich selbst geh auf den Lieberth Keller, er verkörpert für meine Begriffe am besten die alte Kellerkultur.
    Leider machen die beiden Pächter zu wenig aus der Substanz, das ist wirklich schade.

  7. Jürgen Herrmann schreibt:

    Der Katz liegt richtig.
    Ich gehe seit 25 Jahren auf den Friedel-Keller und habe die Atmosphäre, die Biere und das Essen immer genossen. Der Abriß des denkmalgeschützten Kellerhauses war leider der Anfang vom Ende. Ich habe Luitgard und auch Norbert immer grenzenlos bewundert, Kinder und Keller unter einen Hut zu bekommen, aber der „neue“ Keller ist leider kein Fortschritt. Disneyland statt Tradition. Schade! Der traurige Exilfranke aus Köln, der den alten Zeiten hinterhertrauert und seinen Schnaps beim Heiner kauft.

  8. Thomas schreibt:

    Danke für den Hinweis mit dem Zoigl! Das geht ja gar nicht – Zoigl ist Oberpfalz, nicht Franken. Werde aber die Gänstaller Biere mal probieren, werden ja ziemlich gehypt momentan von der Bloggerszene.
    P.S. Gebürtig aus dem Zoigl-Kernland ;-)

  9. Gernot Wildung schreibt:

    Zum Friedel kann man verschiedenes loswerden: Das Bier im neuen Brauhaus mag anders schmecken, trotz Originalrezept. Aber Rezept ist nicht nur die Auflistung der Zutaten und das Brauprotokoll, sondern umfaßt auch die Brauanlage an sich. Das exakt gleiche „Rezept“ wird auf jeder Anlage anders schmecken.

    Die Zeiten, wo der Lieberthkeller nur aus einem einzigen Raum mit Kohleherd bestand, sind ein für allemal vorbei. Deutscher Vorschriftsgründlichkeit sei Dank. Aber sind wir doch mal ehrlich: Statt in der alten Friedelwirtschaft mit dem Resopalcharme der 60er sitz ich lieber in dem neuen Brauhaus am Kreuzberg.

    Die „Zoiglstube“ in Straßgiech ist inzwischen Vergangenheit. Verdientermaßen für den Etikettenschwindel.
    Aber was ist eigentlich ein Zoiglbier? Einfach ein Bier, das die Brauerei halbfertig verläßt und beim Wirt oder Konsumenten fertig gemacht wird. Der Schnittpunkt in der Oberpfalz liegt beim Hefeanstellen. Vergleichbar dem fränkischen Hausbräu, das als Jungbier die Brauerei verläßt und die Nachgärung im Keller des Wirts oder des privaten Hausbrauers erfährt.

    Aus welcher Gegend ein Zoiglbier kommt ist somit unerheblich. Es ist auch unerheblich ob es in einem Kommunbrauhaus oder in einer anderen Brauerei gebraut wird.

    • Athanasius Katz schreibt:

      Dass die Gegend, aus der ein Zoiglbier kommt, unerheblich ist, teile ich nicht. Ich bitte um Entschuldigung, dass ich hier den Sprachwissenschaftler und Dialektologen raushängen lassen muss: Die Lautung „Zoigl“ konnte aus „Zeiger“ so nur in der Oberpfalz geläufig werden. Es ist wunderbar, dass es anderswo noch den Sachverhalt des Kommunbrauwesens, Hausbräus etc. gibt, das sind auch fürwahr meist hervorragende Biere, die ich in ihrer Qualität gar nicht mindern möchte (siehe z.B. die Artikel zur Kommune in Neuhaus hier oder hier). Aber warum muss so etwas dann unbedingt auch „Zoigl“ heißen? Eine fränkische Heckenwirtschaft nennt sich auch nicht „Heuriger“, obwohl der Sachverhalt der gleiche ist, dass ein Winzer zeitweise Wein ausschenkt. Ich hätte es aus diesen Gründen gern gesehen, wenn sich die brauenden Bürger von Windischeschenbach, Falkenberg, Eslarn, Mitterteich und Neuhaus den Begriff „Zoigl“ hätten schützen lassen können.

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