Verfall und Abriss: Tucher-Bräu am Schillerplatz

Ehemalige Tucher-Brauerei am Nürnberger SchillerplatzNürnberg tut sich erfahrungsgemäß schwer mit der allerorten noch umherstehenden Industriekultur und planiert lieber als dass es renoviert. Dieses Thema ist deshalb für einen Bierblog relevant, weil auch Brauereisubstanz von den Kahlschlägen betroffen ist. Zum Beispiel die ehemalige Tucher-Brauerei am Nürnberger Schillerplatz.

Wir Ironblogger Franken haben uns letzthin mal getroffen. In der Bierkasse befanden sich zwar Nullkommanull Euro (in München sind sie bestimmt fauler :-)), aber es war dennoch ein sehr netter Abend. Unter anderem kam das Gespräch, das ist kein Wunder in diesem Kreis, auf Industriekultur und den Umgang mit derselben in verschiedenen Regionen. Meine geschätzten Mit-Ironblogger Dirk Murschall und Michael Fohrn haben je einen prachtvollen Artikel dazu geschrieben:

Diese beiden Artikel bitte unbedingt lesen, hieraus geht deutlich und beispielgespickt hervor, dass und warum wohl die Region den kulturellen Wert von Industriekultur nicht erkennt, nicht erhält und nicht vermarktet. Dem ist inhaltlich kaum etwas hinzuzufügen, ich würde nur mit den Altstadtfreunden nicht so hart ins Gericht gehen. Die Altstadtfreunde bilden eine Einflussgröße für die Bebauung aus der frühen Neuzeit (um mittelalterliche Bebauung geht es in Nürnberg kaum, die meisten Bauten, die die Altstadtfreunde als schützenswert einstufen, stammen per definitionem nicht aus dem Mittelalter). Sie verhindern mitunter eine Neubebauung leerer Areale, weil aus ihrer Sicht irgendwelche Gesamteindrücke gestört würden. Aber sie fördern nicht die Zerstörung von Industriekultur. Genausowenig wie als heterosexueller Mann meine Beziehung zu einer Frau durch die Homo-Ehe gestört wird. Hier scheint mir die Rolle der Altstadtfreunde einfach übertrieben zu werden.  

Aber nun noch kurz zum Thema Tucher-Brauhaus am Nürnberger Schillerplatz. Es ist ein echtes Unding, es einfach abzureißen und irgendwelchen unurbanen Unsinn namens „Nordstadtgärten“ hinzustellen. Ab 1899 wurde dort Bier gebraut, zunächst war es die Braustätte des Brauhaus Nürnberg J. G. Reif AG, bis dieses mit Tucher fusionierte (wer mehr über die Geschichte der Tucher-Brauerei erfahren will, möge das bitte auf nuernberginfos.de tun). Es muss einfach möglich sein, dass so etwas erhalten und in der Nutzung anderen Zwecken zugeführt wird, anderswo funktioniert das doch auch, zum Beispiel in der Berliner Schultheiss-Brauerei.

Ein wenig Wehmut schwingt hier zugegebenermaßen mit. Ich bin im Viertel großgeworden, genauer gesagt in der dem Schillerplatz fast benachbarten Meuschelstraße. Die Brauerei war eine echte Größe im Viertel, und noch heute rieche ich Brauereidampf (diesen typischen getreidig-hefigen Geruch) gerne. Mittlerweile ist kaum noch etwas zu sehen von den alten Brauereigebäuden. Aber im Herbst 2010 hat es noch so ausgesehen: 

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