Bier-Geschichte in Berlin

Kulturbrauerei-Berlin-02Erweitern wir mal wieder unseren Horizont und werfen wir einen Blick auf Biere jenseits der fränkischen Region. Genauer gesagt: auf Bier-Geschichte in Berlin …

Ich war neulich wieder mal in Berlin und habe an einem Kongress zu allen möglichen Web- und Social Media-Themen teilgenommen. So weit so uninteressant für die Bierblog-Leser. Interessant war und ist aber der Ort des Kongresses: die Kulturbrauerei in Berlin. Ein großartiges ehemaliges Industrie-Gelände mit sehens- und fotografierenswerten Backstein-Gebäuden (Fotos findet ihr unten), das als Industrie-Architektur zu Recht unter Denkmalschutz steht und eine spannende Geschichte hat.

Schultheiss in Berlin, einst die größte Brauerei Deutschlands

Denn hier, auf dem Gelände an der Schönhauser Allee, siedelte der Berliner Apotheker August Heinrich Prell Mitte des 18. Jahrhunderts seine Brauerei an, die kurz darauf von Jobst Schultheiss übernommen wurde, der sich hier als erfolgreichster Berliner Bierbrauer etablierte. Ende des 19. Jahrhunderts wurde Schultheiss durch Zusammenschluss mit der Tivoli Brauerei sogar zur größten Brauerei Deutschlands.

Die Erfolgsgeschichte ging noch jahrelang weiter, genauer gesagt bis zum 1. Weltkrieg: Bis dahin mauserte man sich zur größten Lagerbier-Brauerei der Welt, mit fast 3.000 Angestellten und einem riesigen Fuhrpark (65 Eisenbahnwaggons, über 500 Wagen und Pferde), mit dem das Bier ausgeliefert wurde.

Historisches Brauerei-Areal

Kulturbrauerei-Berlin-04Ein Denkmal für diesen Erfolg und für die Expansion vom mittelständischen Unternehmen zur industriellen Großbrauerei ist das Gelände der heutigen Kulturbrauerei. Neue Gebäude wurden errichtet, eine eigene Wasserversorgung aufgebaut und innovative Technik angeschafft – so wurde um 1880 von der Kühlung mit Natureis auf maschinelle Kühlung umgestellt.

Das Brauerei-Areal wuchs bald auf 25.000 Quadratmeter Fläche an und wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts nochmals massiv umgebaut, um der Brauerei ein einheitlicheres Erscheinungsbild zu geben, das wir letztlich auch heute noch zu sehen bekommen.

VEB Schultheiss-Brauerei und Sanierung

Die Zerstörung des Geländes im 2. Weltkrieg hielt sich in Grenzen und auch die DDR-Zeiten überstand das Areal – erst wurde die Brauerei in einen volkseigenen Betrieb „VEB Schultheiss-Brauerei Schönhauser Allee“ umgewandelt, 1967 wurde die Bierproduktion eingestellt und ein Möbelgroßmarkt angesiedelt.

Nach der Wende übernahm die Treuhandanstalt das Gelände und machte aus der ehemaligen Brauerei ein Kulturzentrum. Klingt lapidar, war aber ein 100 Millionen D-Mark teures Sanierungsprojekt, bei dem großer Wert auf die Erhaltung des historischen Erscheinungsbildes – von den Ziegeln bis zu den Pflastersteinen im Hof – gelegt wurde.

Industrie-Architektur und Brauerei-Erfolgsgeschichte in Berlin

Heute gibt es auf dem Gelände Kongresse wie den meinen, Konzerte, Kinovorführungen, Lesungen, aber auch Büros und Geschäfte. Und auch Bier wird natürlich wieder ausgeschenkt – leider kein Berliner Original, jedenfalls nicht auf meiner Veranstaltung, sondern nur nullig-luschiges Hasseröder aus Sachsen Anhalt, oder genauer gesagt aus der Großproduktion der belgisch-brasilianischen Anheuser-Busch InBev-Gruppe, wie auf dem letzten Bild zu sehen.

Was aber bleibt, ist großartige Industrie-Architektur und die Erinnerung an eine Berliner Brauerei-Erfolgsgeschichte aus dem 19. Jahrhundert. Beides habe ich in einigen Fotos festgehalten (ich hatte leider nur ein iPhone zum Fotografieren dabei und habe dann auch noch mit Instagram-Filtern gespielt – die Fotografen unter euch mögen es mir verzeihen):

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5 Antworten zu Bier-Geschichte in Berlin

  1. Pingback: Industrie-Architektur und Bier-Historie in Berlin | Christian Buggischs Blog

  2. Chris Kurbjuhn schreibt:

    Schöner Artikel, schöne Bilder. Darf ich für den nächsten Berlin einen Besuch des „Knoblauchhaus“ (http://www.knoblauchhaus.de/geschichte.html) empfehlen? In diesem Museum finden sich – neben vielem anderen – sehr interessante Sachen über den Gründer der seinerzeit (1868) ultramodernen Brauerei „Böhmisches Brauhaus“, Armand Knoblauch. Und das Brauereigebäude des „Böhmischen Brauhauses“ gibt’s auch noch (http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%B6hmisches_Brauhaus), da sind jetzt Büros und Gewerberäume drin.

  3. Christian Buggisch schreibt:

    Danke für den Tipp, werde ich mir anschauen!

  4. Christian Buggisch schreibt:

    PS: Schöner Blog übrigens, dieses „Männer unter sich“, ist gleich mal in meinem Feedreader gelandet :-)

  5. baufora schreibt:

    Schöner Artikel und schöne Bilder!
    Es ist echt eine interessante Idee aus einem Kulturhaus eine Bierbrauerei zu machen.

    Viele Grüße

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