Kein Neujahrsbier in der „Hütt’n“

588129_web_R_B_by_Dieter Schütz_pixelio.deEin Jammer, dass ich mir im ersten Artikel 2013 gleich Luft machen muss. Am Neujahrstag wollten Wuhrzel und ich die neue Hütt’n im Nürnberger Burgviertel besuchen. Wir kamen nach nicht einmal fünf Minuten wieder heraus. Ich möchte konstruktive Kritik am Gebaren der Wirte und am Hütt’n-Konzept üben, immerhin schwelt dieser Plan schon länger in mir. 

Die Hütt’n ist seit geraumer Zeit eine Institution unter Nürnberger Biertrinkern, und natürlich finden – die Innenstadtlage macht es möglich – auch viele Touristen hinein. Das Bierangebot ist bestens und kennerhaft ausgesucht, dennoch führten einige unliebsame Erlebnisse dazu, dass ich diese Wirtschaft weiterhin nicht besuche. Aber der Reihe nach:

Es hätte alles so schön werden können

Die Hütt’n hat in der Nürnberger Burgstraße in den 1990er Jahren eröffnet. Nach drei Wochen hatte sogar ich schon mitbekommen, dass ein neues interessantes Lokal mit Landbieren existiert und war mehrfach zum Kartenspielen dort. In dieser Zeit, der Anfangsphase, war unsere Schafkopfrunde wohlgelitten, auch dann, wenn am Kartentisch nichts gegessen, sondern halt nur Bier getrunken wurde (letzteres immerhin nicht zu knapp, man war jung und hat noch was vertragen). Die Wirte Udo und Gerhard kannten einen, waren zugänglich für einen Informationsaustausch über Bier und Brauereien, kurz, jeder fand die Hütt’n richtig gut.

„Bier nur, wenn ihr was esst“

Aber nach ca. zwei Jahren hatten Udo und Gerhard auf einmal D-Mark-Zeichen in den Pupillen. Und es geschah mehrfach, dass man nur noch dann reservieren oder, wenn man schon dort war, sich nur unter der Auflage niederlassen konnte, wenn man auch eine Speise zu sich nahm. Bitte hier nicht falschverstehen: Das Essen ist gut, aber es muss aus meiner Sicht möglich sein, dass jemand, der öfter anwesend ist, nur ein paar Halbe trinkt. Insbesondere am frühen Abend, wenn noch gar nicht so viel los ist. Ganz blöd wurde die Situation, wenn einige Kartler nichts essen wollten, die anderen aber schon. Man musste sich dann jedesmal von der Bedienung belehren lassen, dass das nicht gehe, wobei stets mitschwang, dass man eigentlich das Lokal zu verlassen habe. Folge: Ich ging nicht mehr hin, denn in anderen Wirtschaften überlässt der Wirt mir, ob ich zum Bier etwas esse oder nicht.

Auch in der neuen Hütt’n MUSS man essen

Am vergangenen Neujahrstag wollten Wuhrzel und ich der Hütt’n erneut eine Chance geben, zumal sie mittlerweile in ungleich größere Räumlichkeiten in die Bergstraße umgezogen war. Im Schankraum waren alle Stehtische übervoll besetzt, so dass wir in den Gastraum mit den Sitzplätzen gingen. Nur an etwa der Hälfte der Tische saßen Gäste, und nicht auf allen leeren Tischen prangten „Reserviert“-Schildlein. Als wir überlegten, wo wir uns hinsetzen sollten, kam sogleich eine Bedienung angeschwirrt und fragte nur: „zum Essen?“. Wir verneinten, sie holte einen der Chefs, Gerhard, der uns sogleich mitteilte, dass wir in den Schankraum „müssen“. MÜSSEN höre ich gar nicht gern, und zur Erinnerung: Der Schankraum war übervoll.

Konstruktive Kritik

Lieber Gerhard, lieber Udo, das kann nicht euer Ernst sein, dass man, sogar wenn die Wirtschaft nicht einmal voll ist, die Leute, die nur ein paar Seidla trinken möchten, derart behandelt. Lasst sie einfach ihr Bier trinken! Ich verstehe ja, dass ihr am Essen mehr verdient, aber wenn ihr die Eurozeichen in euren Pupillen einen Augenblick vergesst: Euer Claim ist „fränkisch, ehrlich, gut“; sollte es in einem fränkischen, guten und ehrlichen Wirtshaus nicht biertrinkerfreundlicher zugehen? Im Gelben Löwen, im Palmengarten und sogar in den Innenstadtwirtschaften Schlenkerla und Altstadthof funktioniert das, ohne dass die Wirte am Hungertuch nagen. Und wenn die einheimischen Biertrinker einige gemütliche Biere bei euch genießen, kommen sie zum Essen wieder. Ich kann nicht glauben, dass eure einzige Zielgruppe die Touristen sind, die wahrscheinlich sowieso nicht wiederkommen.

Wo haben wir das Neujahrsbier stattdessen eingenommen?

In der Vorstadt. Der Wirt des „Wundersgärtla“ am Rennweg hat sich gefreut, dass am Neujahrsnachmittag jemand reinkommt, hat uns erstklassiges Brehmer aus Gräfenberg serviert und ein Schwätzchen mit uns gehalten. Ohne dass jemand was gegessen hat, obwohl es sich gemäß Wirtshausschild um eine „Speisegaststätte“ handelt. Und weil’s so schön war, hier eine Mini-Galerie mit Neujahrsfotos aus dem Wundersgärtla (demnächst mehr hier im Blog zu dieser Prachtwirtschaft der Vorstadt):

Bildnachweis: Dieter Schütz  / pixelio.de

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3 Antworten zu Kein Neujahrsbier in der „Hütt’n“

  1. Christian Buggisch schreibt:

    Das Geld wird in der Gastronomie mit Getränken verdient – dachte ich immer bzw. bin ich mir eigentlich sicher. Um so unverständlicher das Gebaren der Hüttn-Betreiber. Aber solche Fragen, wer womit wie viel Geld verdient, sollten eh nicht Sorge des Kunden sein. Die können nur das machen, was ihr gemacht habt: dorthin gehen, wo’s schöner ist. Und die Wundersgärtla-Bilder sehen ja herrlich aus, können wir da bitte mal zusammen hingehen? Letzten Winter waren wir doch auch mit den Carstens Biertrinkenderweise in Nürnberg unterwegs, bei höllischem Glatteis, wie ich mich zu erinnern glaube …

  2. Andreas schreibt:

    Liebe Autoren,
    vielen Dank für diesen Artikel!
    Auch ich trug mich seit längerem mit dem Gedanken, die neue Hüttn auzusuchen, eben auch um herauszufinden, ob sich mit dem Umzug auch die Gastlichkeit (wieder) vergrößert hat. Das kann ich mir nun sparen und Zeit/Geld sinnvoller in einer anderen Wirtschaft investieren.
    Schade, denn das geschilderte Verhalten bleibt auch mir letztlich rätselhaft.

    Vielleicht äußert sich hier einer der Wirte?
    Z.B., weil er nach geeigneter Kosten/Nutzen – Analyse herausgefunden haben könnte, daß es durchaus lohnenswert sein mag, freundlich, kundenorientiert und bodenständig zu agieren, um das angestrebte Flair seines Etablissements auch wirklich herstellen zu können…

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