Kultbier hinterm Walberla: Penning-Zeißler Hetzelsdorf

Hetzelsdorfer BierDas Hetzelsdorfer Bier ist in der Nürnberger Szene seit mindestens 25 Jahren Kult. Schon „Klara Vollweg“ wurde in einer Hörspielfolge des legendären Nürnberger Superhelden „Super-Hartmut“ durch das Hetzelsdorfer Dunkel von geistiger Umnachtung geheilt. Hier ein paar Worte, was ich mit dem Penning-Zeissler verbinde. 

Seitdem wir (Wuhrzel, Andreas und ich) die fränkische Biervielfalt erkunden, suchen wir den Penning immer wieder auf. Die Penning-Brüder machen nicht nur einen hervorragenden Job im Hinblick aufs Brauen und Wirtshausbetreiben, sondern sind auch unvorstellbar nett und immer für ein Schwätzchen mit dem Städter zu haben.

Arco-Eskorte aufs Walberla

In früherer Zeit hieß der Haus- und Brauereihund in Hetzelsdorf Arco. Es handelte sich um einen Schäferhund älteren Semesters, der zwar schon ein Hüftleiden hatte, aber dennoch ausgiebige Wanderungen unternahm. Eine der Walberla-Wanderungen führte uns Mitte der neunziger Jahre durch Hetzelsdorf. Nachdem wir einige Seidla Penning zu uns genommen hatten, machten wir uns auf, die letzten Kilometer aufs Walberla hinter uns zu bringen. Und Arco lief einfach hinter uns her. Anfangs dachten wir noch, ok, der wird jetzt 50 Meter mitlaufen und dann umkehren. Nichts da! Den ganzen Weg aufs Walberla eskortierte uns der Hund durch alle Weg-Irrungen. Oben auf dem Walberla gibt es auch einen Penning-Bierausschank, wenn Kirchweih ist. Wir sagten dort bescheid, dass Arco mit uns gekommen ist und fragten, was jetzt zu tun sei. Antwort: Das tut der öfter, der findet dann schon wieder heim.

Bockbierfeste in Hetzelsdorf

Legendär der Anstich des Maibocks beim Penning-Zeißler: Biergarten und Wirtschaft sind dann unvorstellbar voll, und das gleiche gilt für die meisten Gäste. Ich muss gestehen, dass auch ich damals die Wirkung des Bockbiers unterschätzt habe (heute trinke ich kaum noch Böcke, weil die Folgen zu unvorhersehbar sind). Hinzuweisen wäre noch auf die Übernachtungsweise: Da es bei einer Bockbiergelegenheit regnete, quetschten wir uns zu dritt in Wuhrzels Fiesta (je einer auf Fahrer und Beifahrersitz, einer auf der Rückbank). So buckelkrumm bin ich noch nie am Morgen aufgewacht. Bei einem der nächsten Bockbierfeste spielte das Wetter mit, und wir konnten mit Isomatte und Schlafsack „auf dem Acker“ übernachten – bei stockfinsterer Nacht war das gar nicht ersichtlich, aber am Morgen stellte sich heraus, dass Dutzende Bockbiergäste die Wiese als Schlafstatt gewählt hatten.

Hetzelsdorfer Bier beim Super-Hartmut

In den 1990er Jahren gab es eine sehr beliebte Hörspielreihe beim Szene-Radio „Z“. Der „Norishausener“ Superheld Super-Hartmut und sein Kumpel, Busfahrer Hanni Ballheimer, erlebten allerlei Abenteuer und mussten die Stadt z.B. von Außerirdischen und militanten Erlanger Radfahrern retten, die über die Zahlgrenze bei Reutles eingedrungen waren. In einer Folge wird auf die damalige Kulturreferentin Karla Fohrbeck angespielt, die aufgrund einiger esoterischer Äußerungen als sehr sonderbar galt. Hartmut und Hanni schafften also Kulturreferentin „Klara Vollweg“ mit einem VAG-Bus nach Hetzelsdorf, auf dass sie dort durch das gute Hetzelsdorfer Dunkel vom Wahnsinn geheilt werde. Heute kräht zu Recht kein Hahn mehr nach der damaligen Referentin, aber in den 1990er Jahren war diese Super-Hartmut-Folge in aller Munde. Eine andere Folge kann man sich übrigens auf YouTube ansehen. Und über die Geschichte dieser Kultserie erfährt man bei Radio Z einiges.

Das Hetzelsdorfer Bier …

… ist ein Halbdunkles, das kaum süß schmeckt und hinsichtlich Herbheit und Hopfigkeit eher an ein steigerwaldeskes Kellerbier erinnert. Eine leichte Rauchigkeit wird dem Penning mitunter angedichtet. Das kann ich nicht nachvollziehen und beschreibe diese Nuance eher als Holzigkeit. Das Malz tritt eher in den Hintergrund und ist – wenn überhaupt – „im Abgang“ wahrzunehmen. Zusammenfassend: ein süffiges, helles Dunkles, das vom Fass ein Traum und aus der Flasche durchaus trinkbar ist.

Dieser Beitrag wurde unter Brauereigasthof, Einzelkritik, Hach, wie schön wars damals!, Oberfranken, Walberla veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Kultbier hinterm Walberla: Penning-Zeißler Hetzelsdorf

  1. TimoN schreibt:

    Ist manchmal erschreckend, an welche belanglosen Details man sich im Zusammenhang mit einem 15 Jahre zurückliegenden Besuch in einer Brauereigaststätte bisweilen erinnert. Könnte heute wohl noch die Fließenmuster einzelner Herrentoiletten im Biermudadreieck N-BA-BT nachzeichnen. Penning-Zeißler (schon der Name klingt wunderbar bodenständig) ist auch so ein Fall. Beim ersten Besuch hatten wir begrenzt Zeit, wollten die für Hetzelsdorf etwas überdimensioniert wirkende Kirche anschauen. Es war wie so oft: Aus einem wurden zweieinhalb Biere, während ich die Kirche bis heute nicht von innen gesehen habe. Wie auch immer, weiter so, liebe Blogger, im neuen Jahr und alles Gute! Prost!!

    • Athanasius Katz schreibt:

      Vielen Dank! Und von uns Bloggern auch die besten Wünsche für 2013! Mögen viele Seidla handwerklicher Braukunst die Kehle hinunterrinnen.

      Und bei dieser Gelegenheit noch ein Geständnis: Auch ich (und auch Wuhrzel und Andreas nicht, habe das heute mit Wuhrzel Dienstbier erarbeitet und verifiziert :-) ) war nie im Hetzelsdorfer „Frankendom“. Nie geschafft, weil bei Ankunft im Ort der Durst zu groß und nach der Durstlöschung die Lust auf einen Kirchenbesuch zu gering war.

  2. Christian Keller schreibt:

    Ach ja, der Superhartmut! Den hätte ich ja beinahe schon vergessen: „Leude, etz wird alles besser!“. Ich sollte mal suchen, in irgendeiner Kiste könnte ich noch auf eine original Superhartmut-Cassette stoßen.
    Zum Hetzelsdorfer Bier kann ich übrigens auch eine Anekdote beisteuern. Die einst legendäre, aber fast ebenso lang wie der Superhartmut in Vergessenheit geratene Nürnberger Band Shiny Gnomes hat sich in den 80er Jahren in einem Song mit einem Menschen auseinandergesetzt, dessen Buch „Sie wollen nur deine Seele“ damals in aller Munde war. Der Autor aus der evangelikalen Szene vertrat die These, dass die Rockmusik im Dienste Satans stünde und mit unterschwelligen, meist rückwärts abgespielten satanischen Botschaften durchsetzt sei. Zum Beweis wurden einige solcher Botschaften entschlüsselt und in Fernsehsendungen vorgeführt. Das Buch wurde Eltern und Lehrern damals von kirchlicher Seite nahegelegt, damit sie uns Jugendliche warnen und vor dem Bösen schützen können. Das führte in einigen Fällen zu Rockmusik-Verboten – der Generationenkonflikt war vorprogrammiert.
    Doch jetzt zum Hetzelsdorfer Bier: Die Antwort der Shiny Gnomes auf diese Warnungen war ein eigener Song mit einer unterschwelligen, rückwärts abgespielten Botschaft darin. Den genauen Wortlaut kann ich nicht mehr rekonstruieren, aber ganz sicher ging es um das „gottähnliche Penning-Zeisler“ – ein wahres Teufelszeug wie man weiß und wie die obigen Kommentare zum Nichtbesuch der Hetzelsdorfer Kirche (!) ja auch heute noch sehr deutlich belegen …

  3. Ludwig Bierdümpfl schreibt:

    Gut wär´s schon, des Bier vom Karlheinz….wenn´s nur nicht immer so brühwarm wär´….
    Nix für ungut, aber vielleicht kannst Dein Bier im Ausschank doch a weng besser runterkühlen, Karlheinz ! Dank´der recht schee ! Servus, Ludwig

  4. Schdeffahn schreibt:

    Craftbeer und sonstigen Modeschmarrn, Hipster die Penning so toll finden, alles das verschwindet wieder und das Hetzelsdorfer bleibt wie es ist. Mal schmeckst besonders gut, mal nicht. Auch ohne Bierbloggerszene….

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s