Vergessene Brauereien: Stirnweiß Herreth

Das Stirnweiß-Bier habe ich als das beste Bier im Landkreis Coburg in Erinnerung (Altlandkreis Staffelstein, aber da dürfte es auch das beste Bier gewesen sein). In der unmittelbaren Umgebung war es ein Kultbier.  Die Stirnweiß-Herrlichkeit ist seit 2001 Geschichte, aber zum Glück „erwischten“ Wuhrzel und ich das Bier noch Ende der 1990er Jahre während einer legendären Wanderung über die Eierberge. 

Um den Stirnweiß ist es schade. Dass das Brauereisterben immer auch die Besten treffen muss! Das einzige Bier, das in Herreth ausgeschenkt wurde, war ein Dunkles, das ungemein grasig, getreidig, buttrig schmeckte und praktisch überhaupt keine Kohlensäure enthielt. Es handelte sich bei der Brauereigaststätte um eine richtige „Bauernwirtschaft“. Das ist nicht abwertend gemeint, meines Wissens betrieb der Wirt und Brauer tatsächlich noch eine kleine Landwirtschaft, und in und vor der Wirtschaft roch es damals nach allerlei Viehzeugs, Heu und Getreide. Drinnen ging es fast ebenso urwüchsig zu wie in Waischenfeld. Biertouristen störten kaum und wurden von den anwesenden Stammtischgästen so gut wie gar nicht beachtet.

Eine Nachtwanderung mit Blair-Witch-Ängsten

Vielleicht können sich einige meiner Leser noch an den Film Blair Witch Project erinnern. Es geht um ein Trio von studentischen Dokumentarfilmern, die in einem Waldgebiet der Legende um eine Hexe nachgehen. Mehr und mehr bewahrheiten sich die üblen Geschichten über diesen Wald, einer der Studenten verschwindet und am Schluss stellt sich – so meine Interpretation – heraus, dass es die Hexe wirklich gibt und dass sie Leute umbringt. Der Film ist so mittel, aber gut gemacht ist eine gewisse unwirkliche Unheimlichkeit des Waldes.

Wuhrzel und ich hatten Blair Witch Project kurz vor unserem Herreth-Aufenthalt gesehen. Quartier hatten wir in Wiesen genommen und mussten von Herreth aus in der Nacht über den Eierberg zurücklaufen. Während dieser Wanderung sprachen wir über den Film und darüber, wie ähnlich doch die Situation sei im tiefen Wald der Eierberge. Und wir steigerten uns richtig schön hinein. Folge: Wir bekamen es mit der Angst zu tun. Die nächtlichen Geräusche des Waldes waren unheimlich, das Mondlicht  schien geradezu bedrohlich durch die kahlen Baumwipfel. Mit anderen Worten: Angetrunken plus unter dem Einfluss eines kurz vorher gesehenen Horrorfilms macht so eine Nachtwanderung durch unwegsames Gelände erst richtig Spaß ;-)

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3 Antworten zu Vergessene Brauereien: Stirnweiß Herreth

  1. Pingback: Von wegen vergessen! Stirnweiß lebt! | bierfranken

  2. Athanasius Katz schreibt:

    Von wegen vergessene Brauerei! Matthias Stirnweiß braut das Herrether Bier nach wie vor (wenn auch in Loffeld) und schenkt es aus. Hier das Update.

  3. Pingback: Brauerei Stirnweiß Herreth – ich war dort! | bierfranken

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