Heckel Waischenfeld – Ein letzter Mohikaner

Brauereiwirtschaft Heckel in WaischenfeldDie Brauereiwirtschaft der Familie Heckel ist jetzt, da der Barth-Senger in Scheßlitz nicht mehr braut, tatsächlich  so etwas wie der letzte Mohikaner des fränkischen Brauereiwesens. Warum ist das so und warum schätze ich den Heckel über die Maßen? Hier der Versuch einer Annäherung.

Das erste Mal besuchte ich die Heckels während einer Mehrtageswanderung durch die Fränkische Schweiz. Das ist knapp 20 Jahre her. In diesem 20Jahren bin ich immer wieder dortgewesen, und es hat sich im Hinblick auf  Einrichtung, Getränke-Angebot und Bierqualität rein gar nichts getan. Was ein Glück ist, denn alles das war bestimmt auch schon vor 100 Jahren so und darf auch gern die nächsten 80 Jahre so bleiben, weil Heckels das Brauereiwirtschaftoptimum erreicht haben. Für meinen Geschmack jedenfalls!

Das Heckel-Bier

Heckel-Bier (leider etwas unscharf, aber die Farbe sollte rüberkommen)Ist einmalig. Zum Ausschank kommt ein helles, hefetrübes Schankbier. Schankbier, das sei hier erklärt, ist gemäß der gesetzlichen Verordnung ein Bier, das 7 – 11 % Stammwürze hat, was ungefähr einen Alkoholgehalt von 2,5 bis 4,4 Volumenprozent ergibt. Das Heckel-Bier kommt jedoch so vollmundig, fruchtig und mit genau der richtigen Hopfig- und Muffigkeit daher, dass es mir bitte niemand als Dünnbier o.Ä. bezeichnet! Außerdem warne ich davor, die alkoholische Wirkung wegen des Begriffs „Schankbier“ zu unterschätzen.

Die Wirtschaft

Ist einmalig. Im Hauptraum stehen nur vier kleine Tische, die Prototypen der Resopal-Romantik darstellen. Die Wände sind mit dunklem Holz verkleidet, Deko-Schnickschnack sucht man vergebens. Wenn die Stube voll ist, rutschen alle, auch die Lokalmatadoren, zusammen, zumindest wenn man sich ordentlich und nicht wie einer der vielen typischen Bierwanderer aufführt (die die Gegend leider in den letzten Jahren hordenweise unsicher machen). Blickt man aus einem Fenster nach außen, tritt das von Eckhard Henscheid beschriebene Phänomen auf, dass man – gänzlich unabhängig vom tatsächlichen Wetter – immer meint, auf der Straße niesle es gerade. Das muss an der Gemütlichkeit innen liegen, jedenfalls zieht es einen nicht mehr hinaus, wenn man mal drinnen sitzt. Essen, das sei der Vollständigkeit halber erwähnt, darf man selbst mitbringen, zumal es in der Wirtschaft keinerlei Speisen gibt.

Die Wirtsfamilie

Familie Heckel vor dem Meisterbrief des Brauers, Rainer Heckel (links im Bild)Ist einmalig. Erstens sind die Heckels sehr nett und haben die meiste Zeit ein Lächeln auf den Lippen. Vor Jahren ist Vater Heckel unerwartet verstorben, und ich rechne es seiner Frau und den beiden Söhnen hoch an, dass sie trotzdem weitergemacht haben. Man stelle sich vor, der jüngere der beiden Söhne hatte damals gerade erst mit der Brauerlehre begonnen (beim Krug in Breitenlesau), als sein Vater starb. Aber es ging trotzdem weiter in Waischenfeld, die Biertrinker aus dem Ort und Biertouristen wie ich wissen das zu schätzen!

Da mitunter am Licht gespart wird, ist die Wirtschaft tagsüber recht dunkel, aber das macht nichts, weil Heckels sehr aufmerksam über den Füllungsgrad der Gläser wachen und stets sofort die Luft aus einem leeren Krug lassen.

Die letzte Wirtschaft ihrer Art

All das Beschriebene sollte die Einmaligkeit der Heckel-Wirtschaft halbwegs deutlich gemacht haben. Die Symbiose aus Wirtsfamilie, Gaststube, Bier und einheimischen Gästen gibt es meiner Kenntnis nach in Franken kein zweites Mal in einer Brauereiwirtschaft (zumindest nicht mehr seit der Schließung des eingangs erwähnten „Barth-Senger“ in Scheßlitz). Weiter so, liebe Heckels, ich komme wieder!

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7 Antworten zu Heckel Waischenfeld – Ein letzter Mohikaner

  1. TimoN schreibt:

    Lieber Autor! Sie sprechen mir aus dem Herzen! Erst gestern war ich, aus Kulmbach kommend, wieder dort und bin hinter ganz verzaubert heimgefahren. Auf Schleichwegla… Heckel ist und bleibt ein Unikum, das in unseren Zeiten, in denen Oktoberfestmaßen 0,9l voll sind und die Brüste aus Silikon, von einer ebenso seltenen wie sympathischen Authenzität ist. Wie Sie waren ich und ein Kumpel vor 11 Jahren erstmals dort, als wir ebenfalls ein Bierwanderung gemacht haben, von Pegnitz nach Bamberg. Da hat die Heckel-Halbe noch 1,40€ gekostet! Und der Maßpreis – unglaubliche 2,80€ – war innen über dem Türrahmen liebevoll zwischen das Caspar-Melchior-Balthasar-Signet gekritzelt. Da gabs auch noch die originalen Heckel-Filza! Einfach ein Traum!!
    Leider erfahre ich durch Sie jetzt auch, dass Barth-Senger geschlossen ist. Welch Schande!

    • Athanasius Katz schreibt:

      Lieber TimoN, ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich nicht weiß, ob der Barth-Senger GESCHLOSSEN hat. Gesichert ist nur die Nachricht, dass dort der Braubetrieb eingestellt wurde. Werde wohl mal demnächst in Scheßlitz nach dem rechten sehen :-)

      • TimoN schreibt:

        Das senkt meinen Puls dann doch ein wenig. Es ist immer so, dass man nach so einem Kleinbrauerei-Besuch auf dem Land das Gefühl hat: „Da müsste ich mich wieder häufiger sehen lassen!“ Doch müsste man, um das zu schaffen, kündigen und sich ne Bahncard100 zulegen. Tragisch…

        P.S.: Hervorragender Blog! Bin erst vor wenigen Tagen drauf gestoßen. Habe das Gefühl, dass hier mein Alter Ego schreibt.

  2. TimoN schreibt:

    Nachtrag: Vor allem das jungfräuliche Erkunden mit der Mack-Karte, die dann irgendwann völlig porös war, ist bei mir und meinem Kumpel haargenauso gewesen. Hatten zudem, um auch die entlegendsten Bierdörfer zu finden, auch immer die gute Fritsch-Wanderkarte dabei.

    • Athanasius Katz schreibt:

      Hihi, sehr schön! Dann sind wir uns bestimmt schon mal über den Weg gelaufen! Fritsch war bei uns auch angesagt, bis wir auf diese blauen Karten vom Landesvermessungsamt umgestiegen sind. Und die Karten hatten (und haben) ein kurzes Leben, es kann allerlei schiefgehen: Versehentlich Bier drüberschütten, die Karte im Zug vergessen, sich die Karte vom Wind unerreichbar davonwehen lassen …

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