Vergessene Brauereien: Pöhlmann Hundshaupten

Hiermit starte ich eine Serie: „Vergessene Brauereien“. Schon klar, das Netz vergisst nie etwas. Aber bestimmte Biere haben es verdient, dass sie noch weniger vergessen werden als die üblichen Atavismen, die im Netz kursieren. Die erste Folge soll von der Brauerei Pöhlmann in Hundshaupten handeln.

Was vom Pöhlmann-Bier in Erinnerung blieb

Den Pöhlmann haben wir nur noch kurze Zeit mitbekommen. 1999 wurde der Braubetrieb eingestellt. Das Bier habe ich aber in bester Erinnerung! Es handelte sich um ein Dunkles, und ich mag mich täuschen, aber ich habe es als ungemein süffig und sehr getreidig im Geschmack abgespeichert. „Grasig“ ist noch ein Attribut, das mein Gedächtnis vergibt. Möglicherweise hat es ähnlich dem Rittmayer in Aisch geschmeckt, wer vermag das über zehn Jahre später schon zu sagen.

Eine Wanderung nach Hundshaupten

Was mir sonst noch zur Brauerei Pöhlmann in Hundshaupten einfällt, ist, dass Wuhrzel Dienstbier und ich eine legendäre Wanderung dorthin unternommen haben. Das war  ungefähr 1995 mitten im Winter. Wir fuhren am Samstag Mittag mit der Bahn nach Gräfenberg und sprachen dort – natürlich – erst einmal dem Lindenbräu zu. Ergebnis: Es dämmerte schon, als wir von dort loskamen.

Im stockfinsteren Wald verirrten wir uns so jämmerlich, dass wir statt in Hundsboden am Ortsschild von Haidhof herauskamen. Wer sich in der Gegend etwas auskennt, weiß, was für eine Fehlleistung das ist. Um auf der sicheren Seite weiterzuwandern, wählten wir den Fußmarsch über die Landstraßen. Und wurden Zeuge, wie ein Autofahrer ein Reh anfuhr. Der Autofahrer beging natürlich Fahrerflucht, wir dagegen waren völlig hilflos, was wir mit dem verletzten Tier im Straßengraben machen sollten. Kurzerhand beschlossen wir, es in den nächsten Ort zu tragen (es gab noch keine Handys), so dass Wuhrzel, ein Reh auf den Schultern, auf der Landstraße weiterlief. Schon nach einer halben Stunde kam aber ein Auto vorbei, das wir anhielten und aus dessen Fenster heraus der fahrende  Einheimische versprach, dem Jagdpächter bescheidzusagen. Er wisse, wer das sei.

Und das war unser Glück, weil der Jagdpächter auch noch Wirt war, der das Reh einlud, uns auf der Rückbank verstaute, in seine Wirtschaft fuhr, uns einen Schnaps spendierte und dann noch freundlicherweise nach Hundshaupten fuhr. Dort angekommen, wir waren jung und voller Energie, checkten wir in der Pension ein und wanderten noch zum zwei Kilometer entfernten Gasthof Penning-Zeißler nach Hetzelsdorf. Und gönnten uns erst nach dem Rückmarsch nach Hundshaupten ein Pöhlmann.

Das Reh wird wahrscheinlich auf der Speisekarte des Jagdpächters gelandet sein, ich habe es nie herausgefunden.

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4 Antworten zu Vergessene Brauereien: Pöhlmann Hundshaupten

  1. Pingback: Vergessene Brauereien: Drei Kronen Ottensoos | bierfranken

  2. Achim schreibt:

    Welch eine schöne Serie „Vergessene Brauereien“ – Danke dafür!
    Wir waren ab Mitte der 80er Jahre bis eben 1999 mit unserer Clique öfters draußen in Hundshaupten. Jedes Jahr schmeckte das Bier ein klein wenig anders und doch war immer ein guter Jahrgang. Und der Zwetschgerbaams – mnjam.
    Besonders spaßig fand ich den Moment als die EU alle Brauereine zu Etiketten mit Mindesthaltbarkeitsdatum verdonnerte. Bis zu dem Moment wurden die Flaschen in Hundshaupten nämlich gänzlich ohne Etikett verkauft. Aber dann, eines Jahres waren plötzlich Etiketten drauf – wie spießig – mit einem MHD von nur ein paar Tagen.
    Wir standen um ein Lagerfeuer, jeder mit einer Flasche in der Hand, als plötzlich die erste runter fiel – durch das Etikett einfach durchgerutscht und in der Hand war nur noch Schleim. Die Brauerei hatte sich das mit den bekleben der Etiketten wohl recht einfach gemacht…. mit Tapenkleister :-)

    Achim

  3. Athanasius Katz schreibt:

    Eine ganz wunderbare Anekdote, danke, ich kann mir die Situation richtig vorstellen!!! :-D

  4. Helena Pöhlmann schreibt:

    Yiassas Athanasius, als Pöhlmann (leider nicht mit der Brauerei bekannt) schmunzle ich besonders.

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