Die Kommune in Neuhaus (2)

"Ausgesteckte" Zoiglsterne kennzeichnen die geöffnete KommuneNach kleiner Kunstpause geht es hier im Bierfranken-Blog weiter. Mit dem versprochenen zweiten Artikel über die Neuhauser Kommune. Der sich um letztlich harmlose Kommunen-Geschehnisse dreht, die hier der Nachwelt erhalten werden sollen.

Der Prototyp: Kommunenaufenthalt wider Willen

Ich schreibe ja nur teilweise für meine Leser, das hier ist wohl nicht sehr spannend, muss aber erwähnt werden, weil es uns mehrfach so ergangen ist. Voll Elan und Motivation, die Hügel der Hersbrucker Schweiz zu erklimmen, sollte Neuhaus oft zunächst nur als Wander-Startpunkt dienen. Weil man so praktisch mit dem Zug hinkommt. Aber manchmal spielte das Wetter nicht mit („wir gehen jetzt erstmal in die Kommune und warten, bis es aufhört zu regnen“). Oder über die zu wandernde Strecke war noch keine Einigkeit erzielt worden („zum Ossinger sind wir schon so oft gelaufen, weißt was, wir studieren jetzt erstmal in der Kommune die Karte“). Der Leser kann es sich denken: Wir sind jedesmal in voller Outdoor-Montur in der Kommune gesessen. Nach dem dritten Bier traten sämtliche Wanderpläne selbstverständlich sehr in den Hintergrund, und die einzige Strecke, die dann zurückgelegt wurde, war die vom Bahnhof in die Bierstube und zurück.

Augen auf beim Ausstieg

Blöd geschaut habe ich, glaube ich, als ich einst direkt vor C. aus dem Zug ausgestiegen bin. Ich betrat den Bahnsteig, und drehte mich um, weil ich zu ihr etwas sagen wollte. Und genau in diesem Augenblick verschwand sie einfach. War weg, nicht mehr hinter mir! Es ist glücklicherweise nichts Ernsthaftes passiert, mehrere zwar angetrunkene, aber hilfsbereite Neuhaus-Reisende halfen C. aus dem Spalt zwischen Zug und Bahnsteigkante heraus.

Der verlorene Schuh

Reines Alibi-Wandern fand in der frühen Neuhaus-Zeit häufig statt. Meist lief das so ab: Man trank erst zwei, drei, vier Bier in der Kommune, dann drehte man eine kleine Runde (Finstermühle und zurück o.Ä.), um sich – erneut durstig – wieder am Biertisch einzufinden. Und die lange Wanderzeit (erfahrungsgemäß 30 – 60 Minuten bei stockfinsterer Nacht) vertrieben wir uns mit allerlei Kurzweil: Sich mit Dreck bewerfen, Schilfhalme ins Gesicht wedeln, sich über die regionalen Äcker und Fluren jagen. Wuhrzel kann ein Lied davon singen, dass es gar nicht so einfach ist, bei Dunkelheit auf einem schlammigen, nicht bestellten Acker den im vollen Galopp verlorenen Schuh wiederzufinden.

Ob das Eis trägt?

Bei einer anderen Alibi-Wander-Gelegenheit hat sich das folgende zugetragen: Die Landschaft war verschneit, es war schon recht dunkel. R. entdeckte neben dem Wanderweg einen zugefrorenen Fischweiher, verließ den Weg und testete mit den Zehenspitzen eines Fußes zunächst die Dicke des Eises. „Meint ihr, das trägt schon?, schallte es zu den auf dem Weg Stehengebliebenen. „Naja, wenn Du vorsichtig bist!“, war die Antwort. R. traute sich aber erst, als Wuhrzel und meine Wenigkeit völlig unbesorgt auf das Eis rannten. Naja, wir kannten den Weg sommers auch. Es handelte sich keineswegs um einen zugefrorenen Weiher, sondern um einen verschneiten Wanderparkplatz, das war nach dem dritten Bier nicht so gut zu erkennen gewesen.

Ein Afrikaner in der Kommune

Auch mein damaliger Mitbewohner G., dessen Vater von der Elfenbeinküste stammt, schätzt gutes Bier und nahm deshalb mehrfach an Neuhaus-Fahrten teil. Ein Schwarzer in der Kommune, das hat es wohl nicht so oft gegeben, es gab ein rechtes Aufgeschau bei den Einheimischen. Mit entsprechenden dummen Sprüchen hielt man sich aber zurück, ganz geheuer war die Horde palästinensertuchumwickelter und schwarzbelederter Gestalten dann doch nicht, die den „Neger“ da umgab. Es spricht für G., der dem Stammgast „Manni“ (der lebt auch schon nicht mehr) keineswegs auf die Fresse gab, sondern laut lachend ihm anstieß, nachdem letzterer quer durchs Lokal gebrüllt hatte: „Früher war ich auch schwarz, dann habe ich gearbeitet, da bin ich weiß geworden!“

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