Der rote Faden eines Tages

Rotbier im Café ReginaZum 40. Geburtstag schenkte mir Wuhrzel Dienstbier, seltsamer Bierpapst und Urbanitätserforscher, eine Tour durch Nürnberg. Nicht nur Sehenswürdigkeiten abseits des Mainstreams standen auf dem Programm, sondern hie und da auch ein Schanzenbräu-Rotbier auf der Getränkekarte!

Statt eines Vorworts: Charakter des Rotbiers von Schanzenbräu

Da Qualitätsschwankungen Vergangenheit sind, hat man aus Flasche und Fass jetzt immer ein halbdunkles, angenehm malzig riechendes Bier im Glas. Auf der Zunge kommt zunächst der Hauch einer Honignote an, gleich darauf etwas Säure, Wäre all das stärker ausgeprägt, müsste man von  Gasthausbrauereiplörre sprechen. Aber so, vereint mit der herben Hopfennote, nimmt es das Rotbier durchaus mit rechtsregnitzschen Landbieren auf.

1. und 2. Station: Rotbier im „Wurstdurst“, Rotgerber im Museum

Im Wurstdurst isst man Edel-Currywurst mit selbstgemachten Saucen und belgischen Pommes. Wozu das Rotbier bestens passt! Danach Besuch im sehr hübschen Museum in drei sanierten Handwerkerhäuschen. Gut gemacht, besonders sehenswert war die Sonderausstellung über das Rotgerber- und Irrer-Handwerk.

3. Station: Fränkischer Hofladen

In der Nürnberger Königsstraße öffnete vor einiger Zeit der Frankenfein-Hofladen. Dort gibt es allerlei feines Fränkisches, allerdings zu etwas überzogenen Preisen, naja, die Lage tut das Ihre. Man verkauft allerdings Bier nach einem Rezept aus dem 15. Jahrhundert, was vorbildlich ist, sie könnten es allerdings weniger süß brauen lassen. Ich muss es nicht mehr haben, was aber natürlich Geschmackssache ist!

4. und 5. Station: Straßenbahndepot und Straßenbahnersiedlung Muggenhof

Nürnberg enthält eine Menge an Industriekultur, die vor sich hingammelt, weil niemand den kulturellen Wert solcherlei Architektur schätzt. Ein Beispiel hierfür ist das alte Straßenbahndepot in Muggenhof. Drin ist momentan: Nichts! Gerade dass die Straßenbahnersiedlung aus den 1920er Jahren noch bewohnt ist. Insgesamt eine eigenartige Gegend, in der eine Welt von Gestern im zweigschen Sinne zu ahnen ist, mit der aber in der Welt der Gegenwart niemand so recht etwas anzufangen weiß.

5. und 6. Station: AEG-Gelände und Café Pforte

Anders als im Straßenbahndepot präsentiert sich das ehemalige AEG-Gelände gleich daneben in einer Mischung zwischen kreativer Chaosquirligkeit und Jungbusiness. Und einige der Jungkünstler und Jungunternehmer geben sich am Nachmittag ein Stelldichein im Café Pforte, einer postmodernen Gaststätte im ehemaligen Pförtnerhäuschen. Dort nahmen wir ein weiteres Schanzenbräu Rotbier zu uns, und lernten sogleich noch vom anwesenden selbsternannten Bierwächter, wie man es einzuschenken habe.

7. Station: Abendessen in Fürth

In der Traditionsgaststätte „Tannenbaum“ zu Fürth aßen wir zu Abend. Essen oberer gutbürgerlicher Durschnitt, vom Faß gab es das neuaufgelegte Grüner-Bier. Dieses schmeckte nach dem kurz vorher in der „Pforte“ genossenen Rotbier gerade so wie Mineralwasser. Daher folgt zum Grüner-Bier hier auch keine Einzelkritik, ich gebe ihm demnächst noch eine Chance, indem ich es als Tageserstbier trinke.

8. und 9. Station: MAN-Gelände und Bela Lugosi

Von Fürth aus fuhr uns die U-Bahn in die Nürnberger Frankenstraße. Dort legten wir einen Rundgang über das MAN-Gelände ein, das, wie mir schien, gerade auf der Kippe zwischen Industrialität und Industriegentrifizierung steht. Danach huldigten wir den hochpolitischen Zeiten unserer Jugend mit einem Besuch im Bela Lugosi, wo wir allerdings eine Rotbierpause einlegten, weil es dort kein Schanzenbräu gibt.

10. und 11. Station: MuZ-Club und Café Regina

Nach einem Konzert im MuZ-Club ließen wir bei einem Absacker im Café Regina den Abend ausklingen. Ich wünsche mir jetzt zu jedem Geburtstag eine solche Stadttour von Wuhrzel Dienstbier, es war aufschlussreich und kurzweilig, und aufkommender Durst wurde stets sogleich gelöscht! Hier noch ein paar Bild-Impressionen:

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3 Antworten zu Der rote Faden eines Tages

  1. Michael schreibt:

    Sehr schön, auch wenn Schanze rot halt wirklich nicht gerade gut ist…

    • Walter schreibt:

      Michael,welche Biere schmecken denn Dir so?

    • Athanasius Katz schreibt:

      Inwiefern schmeckt Dir, Michael, das Bier nicht? Bitte nicht falsch verstehen, das ist Geschmackssache, und ich möchte darüber gar nicht streiten oder diskutieren. Mich würde nur interessieren, ob zu hopfig, zu malzig, zu sauer oder ob es eher am Gesamtverhältnis dieser Dimensionen liegt.

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