Ein typischer Tag beim Zoigl

Der Zoiglstern kennzeichnet geöffnete Zoiglstuben

Es konnte einfach nicht ausbleiben, dass schon der vierte Beitrag hier nicht von Bierfranken handelt, sondern von der Oberpfalz. Die dortige Kultur des kommunalen Brauwesens („Zoigl“) nimmt es ohne jegliche Abstriche mit der oberfränkischen Hausbräu-Kultur auf. Letzte Woche (11.12.) fand wieder ein Ausflug mit den Sportfreunden in den Hauptort des Zoiglwesens statt.

Die Anreise stellt kein Problem dar, da man als Faustballer aus Nürnberg nur ca. 90 Minuten bahnfahren muss (Nürnberg- Weiden – Windischeschenbach). Geöffnet haben jedes Wochenende andere Zoiglstuben (meist zwei in Windischeschenbach und eine in Neuhaus). Geöffnete Zoiglstuben sind mit dem ausgehängten „Zoiglstern“ gekennzeichnet, der die fürs Bierbrauen nötigen Elemente Feuer und Wasser symbolisiert. Gemäß des Zoiglkalenders hatte zunächst der „Roude“ offen (es handelt sich hierbei wie bei allen Zoiglstubennamen um den uralten Hausnamen). Und sogleich kam das prächtige Gebräu der „Brauenden Bürger Windischeschenbachs“ auf den Tisch.

Exkurs: Geschmack des Zoigls in Windischeschenbach und Neuhaus

Dass in zwei verschiedenen Kommunbrauhäusern gebraut wird, bringt Unterschiede im Geschmack mit sich. In Windischeschenbach sind die Biere tendenziell dunkler („bernsteinfarben“) und malziger, mitunter auch süßer als in Neuhaus, wo es hopfiger und heller zugeht. Allen Bieren ist jedoch gemein, dass die Wahrnehmung des Biergeschmacks nicht durch lästiges und völlig unnötiges bzw. überbewertetes Kohlensäureprickeln gemindert wird.

Exkurs: Brotzeit beim Zoigl

Auf den Tisch kommt vor allem Wurst aus eigener Schlachtung oder vom Dorfmetzger. Warme Speisen gibts nur als (ein) Tagesgericht (zum Beispiel „saure Haxe“). Die Vielfalt und Qualität der Wurstwaren ist legendär, auf der Brotzeitplatte häufen sich bis zu acht verschiedene Würste und Schinken, zum Beispiel Schwarzgeräuchertes, Heißgeräuchertes, Blutwurst, Leberwurst, Pressack rot und weiß, Streichwurst, Krautwurst, Knoblauchwurst). Zahlen muss man dafür irgendwas zwischen 3,50 Euro und 4,- Euro, das dürfte in Bayern hinsichtlich des Preis-Leistungs-Verhältnisses ungeschlagen sein.

Weiter im Text des typischen Zoigltags

Nach dem Mittagsschoppen beim „Roudn“ war eine kleine Wanderung durchs Waldnaabtal angesagt, diese Wanderung dauerte wetterbedingt nur ca 1,5 Stunden, wir waren aber auch schon länger unterwegs, da das Waldnaabtal hier mehrere Routen mit unterschiedlicher Dauer bietet. Ziel: Neuhaus, wo heute der „Käck’n“ geöffnet hatte. Dort waren wir zunächst die ersten Gäste, schon nach kurzer Zeit füllte sich die Zoiglstube jedoch. Bier und Essen gewohnt gut, auch der Wirt war für ein Pläuschchen zu haben (was mitunter Kommunikationsschwierigkeiten mit sich brachte, zumal in der östlichen Oberpfalz noch nichts vom Dialektabbau angekommen ist).

ZoiglstubeUm auch wirklich alle heute geöffneten Zoiglstuben mitzunehmen, suchten wir noch den „Posterer“ auf, wo es aber beim Probieren des Bieres blieb, da der letzte ernstzunehmende Zug Richtung Nürnberg Windischeschenbach um 18:52 verlässt, so dass um halb sieben Aufbruch angesagt war. Zwei Teilnehmer hatten jedoch vorgesorgt, und sich Zoiglbier in Siphon-Flasche abfüllen lassen, so dass die, die im Zug noch Durst hatten, diesen Durst löschen konnten.

Ankunft in Nürnberg um 20:30, Ankunft im Bett um 21:15, so dass am nächsten Tag keinerlei Nachwehen zu spüren waren.

Nützlicher Ratschlag und nützliche  Zoigl-Links

Die einzigen Orte mit echtem und ernstzunehmendem Zoigl sind Windischeschenbach, Neuhaus, Mitterteich, Falkenberg und Eslarn. Hier ergeht der gutgemeinte Rat, die Finger von Bieren zu lassen, die irgendwo anders herkommen und sich „Zoigl“ auf die Fahnen schreiben. Die Gefahr, sich mit diesen Zoigloiden eine ganz widerliche Plörre einzufangen, ist zu groß! Also: Auf geht’s nach …

^Athanasius Katz

Dieser Beitrag wurde unter Essen, Oberpfalz, Zoigl / Kommunale Brauerei veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Ein typischer Tag beim Zoigl

  1. Christian Buggisch schreibt:

    „Zoigloiden“, sehr schön :-) Ist hiermit in den Wortschatz aufgenommen …

  2. Sandra Henkens schreibt:

    Guten Morgen nach Franken,

    ein wunderbarer und so treffend geschriebener Bericht.
    Dankeschön :-)

    Herzliche Grüße aus der Hauptstadt des Zoiglbiers
    Sandra Henkens
    Tourismusreferentin der Stadt Windischeschenbach

  3. Reinhold Zapf schreibt:

    Hallo liebe Bierfranken,
    der bierige Erlebnisbericht über den Zoiglausflug zu uns in den Oberpfälzer Wald zeigt, dass wir beim Bier den selben Geschmack haben! Unverfälscht, frisch vor Ort gebraut und bei Freunden genossen – so macht Biergenuss Freude. Und in Windischeschenbach, Neuhaus und den drei anderen echten Zoiglorten kann man das Wochenende für Wochenende erleben. Und die Anreise per Bahn ist nur zu empfehlen, Übernachten vor Ort ist aber eine gute Alternative. Zur Planung unbedingt zu empfehlen ist der Zoiglkalender 2012 für den Oberpfälzer Wald, als Download oder zum Bestellen unter http://www.zoiglinfo.de

  4. Gernot schreibt:

    Aufschlussreicher Post. Bestimt keine schlechte Sache, sich mit der Thematik detailierter zu befassen. Werde auf jeden Fall weitere Posts verfolgen.

  5. Pingback: Faustballabteilung aus Nürnberg erneut in der Oberpfalz gesichtet | bierfranken

  6. Pingback: Vergessene Brauereien: Friedel Schnaid | bierfranken

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