Karpfen und Bier

Bier und Karpfen gehen nur dann eine Symbiose ein, wenn sie im richtigen Gasthaus zusammen auf den Tisch kommen. Richtige Gasthäuser finden sich in Franken (in der Oberpfalz kenne ich mich nicht so aus) letztlich nur in einem gedachten Dreieck mit den Eckpunkten Erlangen, Bad Windsheim und Bamberg. Mit einzelnen „Ausreißern“ rechts der Regnitz und im Landkreis Roth.

Bis circa 1991 war das Bier zum Karpfen für mich nicht besonders wichtig. Und Karpfen war sowieso immer nur in den Orten Buch (bei Weisendorf) oder Bullach (bei Lauf) gegessen worden. 1991 dann, die Führerscheine waren frisch und man konnte sich im Hinblick aufs Karpfenessen von den Eltern emanzipieren, bat ein Freund, den ich hier mal „Pschorr“ nenne, zum Karpfenessen nach Stiebarlimbach in den Brauereigasthof Roppelt. Man fuhr also mit dem Auto dorthin, mit von der Partie waren noch Wuhrzel Dienstbier, ein weiterer Bekannter und meine Wenigkeit.

Karpfen und Bier

Karpfen gebacken

Und sogleich wurde unglaublich gezecht! Nicht nur, dass das prächtige Roppelt-Bier auch prächtig zum Karpfen passte, es entbrannte auch ein Streit, ob nun der blaue oder der gebackene Karpfen besser sei. Das Ende vom Lied: Besagter Pschorr und ich aßen den blauen Karpfen gleichsam als Vorspeise und den gebackenen Karpfen als Hauptgang hinterher. Die anderen begnügten sich mit „großen Karpfen“, serviert auf einem blechernen, ovalen Tablett, weil die Fische auf einen normalen Teller beim besten Willen nicht draufgepasst haben. Völlegefühl übrigens Fehlanzeige, wir waren jung und konnten praktisch unbegrenzt essen. Das Roppelt-Kellerbier schmeckte zu beiden Zubereitungsarten derart grandios, dass ich seitdem von eingangs erwähnter Symbiose spreche.

Nach der Mahlzeit

Seit diesem Event befolge ich einen Schwur und esse Karpfen überhaupt nur noch dort, wo die Karpfenteiche nicht weiter als 200 m vom Gasthaus entfernt sind. Halt, gelogen: Zwei Mal bestellte ich Karpfen anderswo, wider besseres Wissen. Das eine Mal (in einer großstädtischen „Fischküche“) kostete der Karpfen ca. doppelt so viel wie in einer ländlichen Karpfenwirtschaft, war aber zumindest essbar. Das andere Mal musste ich die Mahlzeit wegen deutlich ausgeprägtem Faulschlammgeschmack abbrechen. (Es sollte viele Jahre dauern, bis ich wieder ähnlich angewidert das Essen verweigerte, als ich den isländischen Hákarl probierte, der aber zugegebenermaßen noch schlimmer war als der Faulschlammkarpfen.)

So. Wo ist die eingangs erwähnteBier-Karpfen-Symbiose nun am symbiotischsten? Unmöglich zu sagen, und schon gar nicht sind solche Aussagen von Dauer. Gerade noch lässt sich zu einem bestimmten Zeitpunkt ein rein subjektive Momentaufnahme in Form einer kleinen Liste bilden. Diese sieht für mich im Spätherbst 2011 folgendermaßen aus, man beachte bitte, dass das KEINE Rangliste im Sinne einer Ordinalskala darstellt oder gar irgendwelche Top-Ten oder Ähnliches. Die Einträge sind als völlig gleichwertig zu verstehen:

  • Gasthaus Weber in Großbuchfeld (Karpfen gebacken und Löwenbräu Buttenheim)
  • Brauereigasthof Prechtel in Uehlfeld (Karpfen gebacken und Hausbräu)
  • Brauereigaststätte Geyer in Oberreichenbach (Karpfen blau und Hausbräu)
  • Gasthaus Geyer in Uttstadt (Karpfen gebacken und Hofmann (Pahres) hell)
  • Gasthaus Hubert in Rettern (Karpfen gebacken und Schlenkerla)
  • Gasthaus Jägerheim in Röhrach (Karpfen blau und Hofmann (Pahres) Kellerbier)
  • Löwenbräu-Keller in Buttenheim (Karpfen blau und Hausbräu (Lager))
  • Brauereigasthaus Barnikel in Herrnsdorf (Karpfen gebacken und Hausbräu (Lager))
  • Brauereigasthof Kraus in Hirschaid (Karpfen blau und Hausbräu (Lager))
  • Brauereigasthof Rittmayer in Aisch (Karpfen gebacken und Hausbräu)

^Athanasius Katz

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2 Antworten zu Karpfen und Bier

  1. Christian Buggisch schreibt:

    Großartiger Beitrag. Und sehr nützliche Liste. Wie schön, dass ich bislang bestenfalls ein Drittel der dort verzeichneten Gaststätten kenne – das heißt, ich habe noch einige Karpfen+Bier-Erlebnisse vor mir!

  2. Pingback: Ein Jahr Bierfranken-Bierblog | bierfranken

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