Wirtshaus Zum Gelben Löwen Fürth

Die ideale Wirtschaft gibt es nicht. Irgendetwas fehlt immer oder stört. Die Liste der gastronomischen Zumutungen diesbezüglich ist lang.

Da kann die Wirtschaft noch so schön sein, es vergeht einem die gute Laune, wenn man irgendeine Industrieplörre als Bier vorgesetzt bekommt. Oder das Essen ist der übliche Freßwirtschaftsfraß, viel Mehl in der Soße und trockenes Brot. Oder der Gastraum hat sich mit der Zeit zu einer Plastiknippes-Austellung entwickelt, welcher in einer nervtötenden Lautstärke mit Musik eines Dudelfunks beschallt wird. Oder, wie weiland in Nürnberg über Jahre hinweg kultiviert, die Wirtschaft stinkt dermaßen nach Klostein, daß einem sogar der Bierdurst vergeht (der Laden hat mittlerweile zugemacht, nicht nur wegen des Gestanks, der Service hatte sich diesem angepasst). Und so weiter und so fort.

Aber es gibt dann eben doch Gasthäuser, die in ihrer Qualität an ein vermeintliches Ideal sehr nahe heranreichen. Ein solches ist das “Wirtshaus Zum Gelben Löwen”, in der Fürther Altstadt. Die Macher des “Löwen” haben sich einer regelrechten Agenda des gepflegten Bierausschanks verschrieben. Zitat: “Wir heißen alle herzlich willkommen, die eine lebendige Wirtshauskultur zu schätzen wissen, denn Kneipen gibt es viele – Wirtshäuser in der Stadt fast keine mehr.” Und diese Philosophie schlägt sich nieder in der Gestaltung des Gastraumes und bei der Auswahl der Biere und der Speisen.

Die klassisch-schlichte Holzeinrichtung ist frei von irgendeinem Schnickschnack. Einzig diverse Souvenirs der untergegangenen Fürther Brauereilandschaft (Grüner,Geismann, Humbser) runden in den beiden Räumen des “Löwen” die gelungene Wirtshausatmosphäre ab. Musik ist Fehlanzeige.

Mit demselben, geschmackssicheren Augenmerk, den man zur Einrichtung verwandt hatte, haben sich die Wirte dem Thema Bier gewidmet. Zum Ausschank kommen die Biere der Löwenbräu Buttenheim. Eine mutige Wahl, sind diese charaktervollen Biere alles andere als massentauglich. Es gibt, soviel ich weiß, weder in Nürnberg, noch in Fürth eine andere Wirtschaft, die diese Biere als Hauptbier vom Faß ausschenkt. Aber genau dieser Umstand zeugt von Haltung, und ist so sympathisch. Denn die Löwenbräubiere sind köstlich, und für jeden Bierliebhaber eine Bereicherung.

Und für diejenigen, die mit dem Löwenbräu nichts anfangen können, gibt es eine spannende Alternative, das Grüner Hell. Die Tucher Bräu, deren Erzeugnisse seinerzeit der Hauptgrund dafür waren, daß ich mich dem Landbier zuwandte, und, trotz regelmäßig erfolgter Auszeichnungen, bei niemanden, den ich kenne, wohlgelitten sind, hat diese Fürther Traditionsmarke wiederbelebt. Und man mag es kaum glauben, dieses Bier ist trinkbar, es schmeckt! Ein vollmundiges, fast schon süffiges Helles, welches als gepflegtes Feierabendbier bestens ins Sortiment passt.

Auch bei der Speisekarte hat man konsequent auf Qualität gesetzt. Die Brotzeiten, angefangen vom Schmalzbrot (frisches Brot) über den Gerupften bis hin zur Stadtwurst mit Musik, entsprechen der klassischen Wirtshausverpflegung. Darüber hinaus bietet die Wochenkarte warme Speisen. Bei meinen Besuchen waren Bohnakern (findet man leider auch viel zu selten in hiesigen Gasthäusern), Schäuferla, und Schlachtschüssel ausgezeichnet. Die Produzenten der verarbeiteten Wurst-, Käse-, und Gemüsewaren werden bewußt in der Speisekarte erwähnt und sind ihrerseits für die Qualität ihrer Produkte bekannt.

Letztlich gibt es nur eine Sache, die mich beim “Löwen” stört: daß er sich in Fürth befindet. Das sage ich nicht deswegen, weil ich als gebürtiger Nürnberger vielleicht Aversionen gegenüber der Nachbarstadt hätte. Oder weil man sich als Clubfan (zur Zeit) nicht zu offen dort zu seinem Verein bekennen sollte (ist doch der Gelbe Löwe fest in der Hand eingefleischter SpVgg-Anhänger). Nein, das “Wirtshaus zum Gelben Löwen” ist einfach nur ein bißchen weit weg für mich als Stammwirtshaus, da ich in Nürnberg in Johannis wohne, und ich dort vor kurzem “meine” Wirtschaft entdeckt habe. Darüber demnächst mehr an dieser Stelle.

Dennoch war ich nicht zum letzten Mal im “Gelben Löwen”. Eine durch und durch sympathische Gaststätte, welche mit Geschmackssicherheit und konsequenter Linie dem Prädikat “Wirtshaus” absolut zur Ehre gereicht.

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7 Antworten zu Wirtshaus Zum Gelben Löwen Fürth

  1. Athanasius Katz schreibt:

    “Fast schon süffig” – OK! “Gepflegtes Feierabendbier” – geschenkt! Aber bitte, Wuhrzel, doch nicht “vollmundig”! Das Grüner ist ausgewogen, hopfenmalzegalitär, gerne! Aber sämtliche Geschmacksdimensionen spielen sich am unteren Rand der Skala ab. Mutig von mir, dem Bierpapst zu widersprechen, gell? :-)

  2. Heribert Grüner schreibt:

    Wer auch immer Herr Katz ist, Grüner Bier an ihn auszuschenken grenzt an die berühmte Gabe von Perlen an die eingepferchten Quellen fränkischer Schäuferla.
    Dahingeworfende Worthülsen bezüglich des Pflegezustands einer Flüssigkeit – geschenkt. Zurückgeschenkt. Hopfenmalzegalitär, das ist denn schon eher möchtegernelitär, aber das nur am Rande. Eigentlich bedeutsam ist der eklatante Irrtum des selbsternannten Herren aller Skalen. Vollmundig, vollmundig ist das einzig wirklich passende Adjektiv für dieses wiedererstarkte Fürther Heimatgebräu.

  3. Martin Aicher schreibt:

    Na soweit ist es von Johannis nach Fürth auch wieder nicht. Eine vergleichbare Strecke (Fürth Zentrumsnähe-> Datev am Plärrer) fährt meine Frau täglich mit dem Rad. Für was gibt es denn die Pegnitztalradautobahn? Als in Fürth ansässiger geborener Nürnberger und aufgewachsener Johanniser sage ich nur herzlich Willkommen.

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